Erwischt!

Datenschutz und Privatsphäre im Internet: eine Kolumne in der Agrartechnik; http://eicker.at/Erwischt

Datenschutz und Privatsphäre im Internet sind mittlerweile in aller Munde: Allerspätestens seit die Bild im Sommerloch gleich mehrfach mit Facebook titelte, hat wohl jedermann eine Meinung. Fraglich allerdings, wie substanziell das, was kolportiert und diskutiert wird, wirklich ist? Sind wir im Netz nun anonym unterwegs oder werden wir lückenlos überwacht?

Gehen wir gleich zum ‘Kern allen Übels’ über: der IP-Adresse! IP-Adresse? Immer wenn wir eine Verbindung zum Internet aufbauen, werden wir, natürlich nur unser Rechner oder Mobiltelefon, Teil des Internets. Um zu ermöglichen, dass wir über das Internet eine Webseite aufrufen, eine eMail abrufen, bei YouTube ein Video oder bei Facebook oder Flickr ein Bild hochladen oder anschauen können, benötigen wir zur Adressierung eine eindeutige Internet Protocol-Adresse.

Tatsächlich bekommen wir – als unregelmäßige Benutzer – nur temporär eine zufällige Adresse aus dem Adresspool unseres Providers zugewiesen. Diese wird am Ende der Sitzung an einen anderen Kunden vergeben. Unsere Provider, etwa die Telekom oder Vodafone, wissen für unseren Onlinezeitraum allerdings exakt, wohin und wie wir uns im Internet bewegt haben. Zumindest ist es ein sehr starkes (gerichtlich regelmäßig ausreichendes!) Indiz, dass unser Anschluss auch von uns benutzt wurde. ‘Anonym’ waren und sind wir im Internet also zu keinem Zeitpunkt. Punkt.

Die IP-Adresse funktioniert letztendlich wie eine postalische Adresse: Den Server von Gartentechnik.com erreichen Sie tatsächlich unter 81.3.45.128 – und zwar permanent. Wollen Sie die Webseite aufrufen, wird eine Verbindung zwischen Ihrer zufällig zugewiesenen und dieser festen IP-Adresse hergestellt. Es werden Daten zwischen Server und Browser ausgetauscht: auf Ihrem Bildschirm wird es grün.

Ihre IP-Adresse wird dabei an den Server übermittelt und protokolliert. Anders als bei einer festen IP-Adresse sagt Ihre Adresse allerdings so gut wie nichts aus: Bis zu einem gewissen Grad lässt sich lokalisieren, von woher der Aufruf kam – etwa: ‘Großraum München’. Und natürlich ist nachvollziehbar, wer Ihr Provider ist. Da Ihre Adresse aber nicht fest ist, weiß – außer Ihrem Provider – niemand, dass Sie persönlich (über Ihren Anschluss) Webseiten abgerufen haben. Für Dritte sind Sie mithin anonym im Internet unterwegs.

Sobald Sie sich allerdings bei einem Webdienstleister anmelden und einloggen, etwa bei Facebook, Google, Microsoft oder Yahoo, und dort weitere personenbezogene Informationen hinterlegen, sind sie selbstverständlich auch für diesen Anbieter nicht mehr anonym auf seinen Seiten unterwegs. Die grundsätzlich für Dritte anonymen IP-Adressen werden also für die jeweiligen Dienstleister zu rechtlich erheblichen personenbezogenen Daten.

Problematisiert wird daher folgende Situation: Sie suchen bei Google und übermitteln damit Ihre IP-Adresse an Google. Sie loggen sich bei Google ein, weil Sie Ihre eMails mit Gmail, Ihre Videos mit YouTube oder Ihre Fotos mit Picasa verwalten. Google weiß jetzt, dass Sie sich persönlich hinter Ihrer aktuellen IP-Adresse verbergen. Nachdem Sie Ihre eMails gelesen haben, rufen Sie eine andere Website auf, zum Beispiel die der Agrartechnik. Diese nutzt, wie aktuell weit über 50% aller Websites, Google Analytics als Webanalysesoftware. Beim Aufruf von agrartechnikonline.de wird Ihre IP-Adresse wieder an Google übermittelt. – Erwischt! – Vergleichbares passiert übrigens, wenn Sie bei Facebook eingeloggt sind und eine dritte Website Facebook-Dienste einsetzt (etwa 15%).

Selbst wenn Sie sich nach dem Lesen Ihrer eMails bei Gmail abmelden, kann Google immer noch eine Verbindung zu Ihrer Person über die IP-Adresse herstellen: Um dies zu verhindern, hat Google sich selbst bereits im Mai 2010 beschränkt und ermöglicht, nur den ersten, nicht-personalisierbaren Abschnitt einer IP-Adresse zu speichern (IP-Masking, IP-Anonymisierung). Diese Möglichkeit wird von den meisten Websites, die Google Analytics einsetzen, längst wahrgenommen – selbstverständlich auch von der Agrartechnik, von Gartentechnik.com und den Websites aller Motorgerätefachhändler!

Und tatsächlich: Nach einer schier endlosen Diskussion haben die Datenschutzbehörden in Deutschland Anfang September 2011 die Unbedenklichkeit von Google Analytics festgestellt. Erforderlich für die rechtmäßige Nutzung ist die längst mögliche und zumeist auch vorgenommene anonymisierte Speicherung der IP-Adresse. Die Feststellung sorgt endlich für Rechtssicherheit, wobei sich – wie so oft – die Frage stellt, warum für diese Entscheidung 1 1/2 Jahre Bedenk- und Diskussionszeit erforderlich waren?

Besonders unverständlich ist allerdings, dass weder die öffentliche Diskussion, noch die Verlautbarungen der Datenschutzbehörden die Telekommunikationsdienstleister einbeziehen. Ganz im Gegenteil gibt es eine politische Debatte, die verfassungswidrige Vorratsdatenspeicherung wieder einzuführen: Die Provider sollen also erneut gesetzlich veranlasst werden, personenbezogene Daten (Ihre Telefonate, Ihre eMails, Ihre Bewegungen im Internet etc. pp.) über enorme Zeiträume (6 und mehr Monate) zu speichern? Ein Unding! – Oder vertrauen Sie der Telekom mehr als Google? Vodafone mehr als Facebook?…

Noch ein paar Tipps zu Ihrer persönlichen Onlinenutzung:

  1. Wenn Sie sich im Internet maximal anonym bewegen möchten, können Sie sogenannte Anonymisierungsdienste einsetzen. Aber ernsthaft: Wenn Sie kein politisch verfolgter Dissident in China sind, wohl eine massive Übertreibung.
  2. Meist reicht es schon, sich bei Webdienstleistern, speziell den Großen wie Google, Facebook, Microsoft, Yahoo, nach der Nutzung auch wieder auszuloggen. Darüber hinaus können Sie regelmäßig Ihren Browser-Cache und gespeicherte Cookies löschen – auch automatisch beim Schließen des Browsers.
  3. Wirklich wichtig ist eine vernünftige Absicherung Ihrer Internetverbindung: Speziell ein WLAN sollte nach aktuellem technischen Stand passwortgeschützt und die Datenübermittlung entsprechend verschlüsselt sein, da Sie bei Missbrauch durch Dritte ansonsten haftbar gemacht werden können.